Glühkerzen wechseln: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Welcher Dieselfahrer kennt sie nicht, die Angst vorm Glühkerzenwechsel? Im Internet kursieren viele Horrorgeschichten von abgerissenen Glühkerzen und der daraus folgenden kostspieligen Zylinderkopfinstandsetzung. Dabei könnte einem der Motorschaden beim Einhalten der Montage- bzw. Demontagevorschriften durchaus erspart bleiben. In diesem Beitrag wollen wir Euch helfen, die Angst vorm Glühkerzenwechsel zu verlieren, und euch gegebenenfalls selbst an den Wechsel Eurer Glühkerzen zu wagen.

Funktion der Glühkerzen 

In erster Linie dient die Glühkerze als Kaltstartvorrichtung bei Dieselmotoren. Anders als eine Zündkerze entzündet die Glühkerze nicht das Kraftstoff-Luft-Gemisch, sondern heizt mittels Glühwendel den Brennraum (bzw. früher auch die Vorkammer) des Dieselmotors und somit auch das Kraftstoff-Luft-Gemisch zusätzlich auf. Durch dieses Aufheizen wird dem Kraftstoff-Luft-Gemisch die Energie bzw. Wärme zugeführt, die dem Gemisch für die Selbstentzündung beim Kaltstart fehlt. Wenn der Dieselmotor dann auf Betriebstemperatur ist, reichen die Wärmeenergie des Motorblocks und die Wärme, die bei der Kompression des Gemischs entsteht, für die Selbstzündung aus. 

Bei moderneren Dieselmotoren dient die Glühkerze aber auch zur Reduzierung der Abgas- und Geräuschemissionen in der Warmlaufphase. Für diesen Zweck glühen moderne Glühkerzen bis zu drei Minuten nach. Einige Glühkerzen verfügen zusätzlich über eine interne Sensorik zum Detektieren des Brennraumdrucks.



Defekte Glühkerze erkennen

Da heutzutage die Glühkerze ein abgasrelevantes Bauteil darstellt, wird sie durch die Motorsteuerung überwacht. Sollte ein Fehler vom Steuergerät erkannt werden, wird im Kombiinstrument die Motorkontrolllampe (MKL bzw. MIL) ausgelöst. Mittels Diagnosetest kann in diesem Fall sogar eindeutig die defekte Glühkerze identifiziert und dann gegebenenfalls auch nur die defekte Glühkerze ausgetauscht werden.



Hinweis: Je nach Fahrzeughersteller kann das Auslösen der Motorkontrolllampe, auch wenn es sich „nur“ um eine defekte Glühkerze handelt, dazu führen, dass das Motorsteuergerät in den Notlauf geht und das Fahrzeug nur noch unter erheblichem Leistungsverlust und Mehrverbrauch bewegt werden kann.

Die klassischen Symptome von defekten Glühkerzen sind:

  • Qualmender Start
  • Nagelnde Startphase
  • Batterieerschöpfender, langer Start
  • Motor läuft schwer und unrund
  • Motor läuft erst nach mehreren Startversuchen
  • Motor läuft nur unter starker Geruchsbelästigung an

Häufig stellen Dieselfahrer aber erst gegen Ende des Jahres, wenn die Außentemperaturen kühler werden, fest, dass mit ihrer Glühanlage etwas nicht stimmt. Für den Fahrer äußern sich dann die defekten Glühkerzen hauptsächlich durch schlechtes Startverhalten und Ruckeln des Motors nach dem Starten.

Glühkerzen prüfen

Tipp 

Seit 2001 verfügen alle Neuwagen über die gesetzlich vorgeschriebene und standardisierte Europäische On Board Diagnose EOBD. Die Europäische On Board Diagnose überwacht alle Abgasrelevanten Bauteile und ist für alle Fahrzeughersteller gleich.

Möchte man herausfinden, ob und welche Glühkerze defekt ist, kann man dies in den meisten Fällen ganz leicht mit einem günstigen, EOBD-fähigen Diagnosegerät und der passenden App für das Smartphone erledigen. Ansonsten kann man auch mit dem günstigsten Multimeter aus dem nächsten Baumarkt die Glühkerzen manuell überprüfen. Dann geht man wie folgt vor:

  1. Fahrzeug vorm Wegrollen sichern, Motor ausschalten und Motorhaube öffnen.
    Hinweis: Den Schlüssel nicht im Auto liegen lassen! Einige Fahrzeuge schließen sich nach einer gewissen Zeit von selbst ab.
  2. Glühkerzen freilegen.
    Häufig reicht es aus, die Motorabdeckung, die oft nur gesteckt ist, nach oben abzuziehen. Eine kurze Internetrecherche hilft meistens dabei, die genaue Lage ausfindig zu machen.
  3. Stecker abziehen.
    Die meisten Glühkerzen verfügen über einen einfachen 1‑poligen Stecker, der einfach abgezogen werden kann. Der Motorblock dient als Minuspol bzw. Masse.
  4. Den korrekten Widerstand einstellen.
    Auf dem Multimeter muss der kleinste Messbereich für den Widerstand (Ohm) eingestellt sein. Bei den günstigeren Multimetern beträgt er 200 Ohm.
  5. Glühkerzen durchmessen.
    Dazu muss die eine Messspitze an den Motorblock und die andere Messspitze an den Kontakt der Glühkerze (Gewinde an der Spitze der Glühkerze) gehalten werden. Der Widerstand einer intakten Glühkerze sollte zwischen 0 Ohm und 1 Ohm liegen. Eine durchgebrannte Glühkerze hat dagegen einen sehr großen, meistens nicht messbaren Widerstand.

Da man meistens mehrere Zylinder und somit auch mehrere Glühkerzen hat, hat es durchaus Sinn, die einzelnen Messergebnisse miteinander zu vergleichen und darüber einen Rückschluss auf die Funktion der einzelnen Glühkerzen zu führen.

Wichtig 

Widerstandsmessungen werden nur bei abgezogenem Stecker direkt am Bauteil durchgeführt, da sonst andere elektronische Bauteile beschädigt werden können.

Falls man keine Auffälligkeit feststellt, kann man auch noch prüfen, ob überhaupt eine Spannung an den Glühkerzen anliegt. Dazu das Multimeter auf 20 Volt stellen und vom Stecker einer Glühkerze zum Motorblock messen. Die Stecker aller Glühkerzen müssen dazu abgezogen sein. Am besten schaltet nun eine zweite Person kurz die Zündung ein, da nur kurze Zeit eine Spannung vom Steuergerät an die Glühkerzen angelegt wird. Die Spannung sollte ca. 12 V oder ‑12 V betragen. Je nachdem, wie herum das Multimeter angeschlossen wird. 

Hinweis: Wenn die Motorkontrolllampe noch nicht leuchtet, sollte man auf die Messung der Versorgungsspannung verzichten, weil die Motorkontrolllampe danach sehr wahrscheinlich an ist.

Gefahren durch defekte Glühkerzen

Neben Ruckeln, eventuellem Leistungsverlust und einem schlechten Startverhalten besteht durch eine defekte Glühkerze erstmal keine direkte Gefahr für Leib und Leben. Allerdings können Anlasser und Batterie durch den zu langen Startvorgang Schaden nehmen. Langfristig leiden vor allem alle Bauteile der Abgasnachbehandlung. Katalysator, Rußpartikelfilter und AGR-Ventil setzen sich sehr schnell mit Ruß zu und müssen gegebenenfalls ersetzt werden. Auch Lambdasonden, Aus- und Einlassventile sowie der Turbolader können durch die erhöhte Rußbelastung und im späteren Verlauf auch in Folge der verstopften Abgasnachbehandlungssysteme durch die erhöhte thermische Belastung in Mitleidenschaft gezogen werden. 


Weitere Informationen:

Welche Autobatterie brauche ich?

Rußpartikelfilter defekt

AGR-Ventil reinigen und AGR-Ventil wechseln

Lambdasonde wechseln: Schritt-für-Schritt-Anleitung


Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Austausch defekter Glühkerzen

Ausrüstung 

  1. Motor unbedingt warmfahren, also auf Betriebstemperatur bringen.
  2. Fahrzeug vor dem Wegrollen sichern, Motor ausschalten und Motorhaube öffnen.
    Hinweis: Darauf achten, den Schlüssel nicht im Auto liegen zu lassen. Einige Fahrzeuge schließen sich nach einer gewissen Zeit von selbst ab.
    Achtung: Alle Teile im Motorraum sind jetzt sehr warm und man kann sich leicht verbrennen.
  3. Häufig reicht es aus, die Motorabdeckung, die in den meisten Fällen nur gesteckt ist, nach oben abzuziehen, um die Glühkerzen frei zu legen. Eine kurze Internetrecherche hilft meistens dabei, die genaue Lage der Glühkerzen ausfindig zu machen.
  4. Normalerweise verfügen die Glühkerzen über einen einfachen 1‑poligen Stecker, der einfach abgezogen werden kann. Der Motorblock dient als Minuspol bzw. Masse.
  5. Nun sollten erstmal alle Glühkerzen mit einem Injektoren- und Glühkerzenlöser eingesprüht werden. Der Injektoren- und Glühkerzenlöser sollte ca. 10 min einwirken. Wenn man den Injektoren- und Glühkerzenlöser direkt auf die Glühkerze sprüht, wird die Glühkerze abgekühlt. In Folge der Abkühlung schrumpft die Glühkerze und das Gewinde löst sich daraufhin ein wenig. Dadurch kann das Kriechöl tiefer in das Gewinde eindringen.
  6. Nach einer kurzen Einwirkzeit kann man probieren die Glühkerzen vorsichtig zu lösen und auszubauen. Genauso wie man Glühkerzen immer mit einem Drehmomentschlüssel festziehen sollte, sollte man Glühkerzen auch mit einem Drehmomentschlüssel lösen. Bei guten Glühkerzen wird dementsprechend nicht nur das Anzugsdrehmoment, sondern auch das Bruchdrehmoment, ab dem die Glühkerze abbricht, angegeben.
  7. Nach dem Ausbau empfiehlt es sich, die Bohrung der Glühkerze mit einer entsprechenden Reibahle zu reinigen. Die Reibahle sollte unbedingt mit Fett bestrichen sein, damit die Rückstände nicht in den Motor fallen, sondern nach draußen transportiert werden. 
  8. Die neuen Glühkerzen sollten unbedingt mit Glühkerzen-Montagefett auf dem Schaft und dem Gewinde versehen werden. Dieses Glühkerzen-Montagefett erleichtert nicht nur die Montage, sondern auch die spätere Demontage.
  9. Nun die Glühkerzen noch von Hand in den Zylinderkopf schrauben und anschließend mit dem richtigen Drehmoment nach Herstellerangaben festziehen. Jetzt noch die Stecker wieder aufstecken und alles, was man abgebaut hat, wieder anbauen.
GlühkerzengewindeAnzugsdrehmoment Bruchdrehmoment
M810 Nm20 Nm
M912 Nm22 Nm
M1015 Nm35 Nm
M1222 Nm45 Nm
Tipp 

Sollte sich die Glühkerze einmal nicht lösen lassen, empfiehlt es sich, alles wieder zusammenzubauen und die gesamte Prozedur einen Tag später erneut zu wiederholen.

Alte Glühkerzen entsorgen

Hat man nun die Glühkerzen getauscht, steht man vor dem nächsten Problem. Wohin mit den alten Glühkerzen? Prinzipiell gehören Glühkerzen und andere Ersatzteile allgemein erstmal nicht in den Hausmüll. Normalerweise sind in Deutschland die Hersteller von elektrischen oder elektronischen Geräten zur Rücknahme der Geräte verpflichtet. Für Ersatzteile und somit auch für Glühkerzen gilt dies in der Regel nicht. Deshalb nehmen auch die meisten Recyclinghöfe keine defekten Kfz-Teile mehr an und es bleibt einem nur übrig, die Glühkerzen als Metallschrott bei einem Schrotthändler oder Autoverwerter abzugeben. Allerdings wird einem für diese kleine Menge Schrott keiner Geld bezahlen. Wenn man viel selbst am Auto macht, lohnt es sich durchaus, Metallschrott zu sammeln und zu einem späteren Zeitpunkt abzugeben.

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FAQ

Welche Glühkerzen soll ich kaufen?

Die namhaftesten Hersteller für Glühkerzen sind BERU, Bosch und NGK.

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Kann man mit defekten Glühkerzen weiterfahren?

Ja, aber langfristig können Starter und Batterie sowie alle Abgasnachbehandlungssysteme Schaden nehmen.

Mehr zum Thema »

Was kostet ein Glühkerzenwechsel in der Werkstatt?

Das hängt vor allem von der Anzahl der Glühkerzen ab. Bei einem 4‑Zylinder-Motor kann man mit 100 € bis 300 € in einer freien Werkstatt rechnen.

Für Selbermacher: Glühkerzen wechseln »
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Haben Glühkerzen ein Wechselintervall?

Nein, Glühkerzen sind zwar Verschleißteile, sollen aber, ähnlich wie eine Kupplung, ein Autoleben lang halten. Es empfiehlt sich aber, die Glühkerzen, ähnlich wie Zündkerzen, alle 60.000 km zu wechseln.

Zu Wechselanleitung »

Muss man den Zylinderkopf abbauen, wenn eine Glühkerze abreißt?

Nein, es gibt Spezialwerkzeuge, um das Gewinde im Zylinderkopf im montierten Zustand zu reparieren. 

Brauche ich einen neuen Zylinderkopf, wenn die Glühkerze abreißt?

Nein, der Zylinderkopf kann mit den richtigen Werkzeugen instandgesetzt werden. 


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DAPARTO haftet nicht für Verluste, Verletzungen, Schäden am Eigentum, die während des Reparatur- oder Ersatzprozesses durch eine fehlerhafte Anwendung oder eine Fehlinterpretation der bereitgestellten Informationen auftreten. Die Informationen dienen nur zur Information und können einen Spezialisten nicht ersetzen. DAPARTO haftet nicht für die falsche oder gefährliche Verwendung von Geräten, Werkzeugen und Ersatzteilen. DAPARTO empfiehlt bei allen Reparaturen stets vorsichtig zu arbeiten und alle Sicherheitsregeln zu beachten.